„Pflegegipfel“ Landkreis Harburg

 
Foto: Britta Weimann

Britta Weimann
ASF Vorsitzende

 

Zu einem „Pflegegipfel“ trafen sich Vertreter verschiedener, mit der Pflege beschäftigter Organisationen am 26.Juni 2018 im Krankenhaus Buchholz mit der niedersächsischen Sozialministerin, Dr. Carola Reimann. Auch die Landtagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers aus Lüneburg war der Einladung der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) und der Arbeitsgemeinschaft der Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Gesundheitswesen (ASG) gefolgt.

 

In seiner Begrüßung stellte der Hausherr, der Geschäftsführer der Krankenhäuser Buchholz und Winsen gGmbH, Norbert Böttcher, die schwierige Situation in den Kliniken dar: Besonders in Zeiten mit hohem Krankenstand, beispielsweise während einer Grippe-Epidemie, sei es sehr herausfordernd, die pflegerische Versorgung aufrecht zu erhalten. Er erhofft sich speziell in den Bereichen Ausbildung und Finanzen Unterstützung von der Politik.

In seinem Grußwort stellte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende beider Krankenhäuser, Markus Beecken, die Frage, wie zukünftig mit den Alten, Kranken und Bedürftigen in Deutschland umgegangen werden soll, wenn die Entwicklung in der Pflege so weiterginge. „Wir alle fordern, dass mehr für die Pflege getan wird, doch sollte dies keineswegs noch mehr Bürokratie nach sich ziehen“, so Beecken. „Schließlich sind es die Betriebsräte, die neben den Leitungskräften die Tränen der erschöpften Kolleginnen und Kollegen trocknen.“
 
Diese gesamte Problematik betrifft jedoch nicht nur die stationäre Pflege, wie Ole Bernatzki, Inhaber eines großen ambulanten Pflegedienstes im Landkreis Harburg, betonte. Er musste in den letzten Monaten Patienten abweisen und sogar Verträge kündigen, da er nicht genügend qualifiziertes Personal finden kann. Zusätzlich würden die Gehälter, die er im Randgebiet von Hamburg für eine qualifizierte Pflege zahlen müsse, durch die Leistungen der Kostenträger nicht hinreichend abgedeckt.

Die Situation vor Ort erläuterte die Pflegedienstleiterin des Krankenhauses, Angelika Hutsch, die eindrücklich von den physischen und psychischen Belastungen der Mitarbeiter berichtete. Auch seien die Patienten, die heute ins Krankenhaus kämen, oft älter und würden gleich mehrere Erkrankungen mitbringen. Somit entstünde ein höherer Pflegeaufwand.

Und auch Lisa Kanna, im zweiten Ausbildungsjahr zur Gesundheits- und Krankenpflegerin an der Gesundheitsfachschule des Krankenhauses tätig, berichtete von den anspruchsvollen Bedingungen ihrer praktischen Ausbildung, die oft keine Zeit mehr für eine individuelle Betreuung der Auszubildenden durch eine Praxisanleitung zuließe.

Gewerkschaftssekretär Robert Kirschner von der Gewerkschaft Verdi zeigte auf, dass die Angehörigen der Pflegeberufe in Niedersachsen diese Zustände häufig nicht länger hinnehmen. Er führte die Wichtigkeit einheitlicher Tarifverträge an und rief dazu auf, sich gemeinsam dafür zu mobilisieren.

Andrea Kowalewski von der Koordinierungsstelle Frau + Wirtschaft aus Winsen thematisierte, dass Pflege - nicht nur im Krankenhaus und in den ambulanten Diensten, sondern auch von Angehörigen zuhause - fast ausschließlich weiblich ist. Sie betonte, wie wichtig es sei, dass die Arbeit der Pflegenden mehr Respekt erfährt, nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern auch in Bezug auf die gesellschaftliche Anerkennung.

Dr. Carola Reimann konnte für einige der angesprochenen Problembereiche deutliche Verbesserungen in Aussicht stellen. Nicht nur die Initiative ihrer Vorgängerin, die Pflegeausbildung in Niedersachen schulgeldfrei anzubieten, zeige bereits Erfolge. Auch hat sich die Ministerin dafür stark gemacht, dass beachtliche Teile des sogenannten VW-Topfes in die Verbesserung der Pflegebedingungen investiert werden. Darüber ist in beiden Koalitionsverträgen an denen die Ministerin mitarbeitete, dem für den Bund und dem für das Land, dem Thema Pflege so viel Raum gewidmet, wie nie zuvor. Unter anderem fordert sie, die gesundheitliche Vorsorge der in der Pflege tätigen Menschen zu fördern und plädiert zugleich für einen Rechtsanspruch auf Rehabilitationsmaßnahmen für pflegende Angehörige.

Alles in allem bot sich den Gästen ein interessanter Einblick in die Thematik, die von vielen verschiedenen Seiten betrachtet wurde. Die Moderation der Podiumsdiskussion übernahm Frau Dr. Linda Wanke, Ärztin am Krankenhaus Buchholz und Vorsitzende des klinischen Ethik-Komitees der Krankenhäuser Buchholz und Winsen.

 

Für weitere Informationen:

Britta Weimann; ASF, britta.weimann@web.de

Markus Beecken, ASG, m.beecken@spd-lkharburg.de

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Pressemitteilung PDF 467 KB
ASF_Pflegegipfel_26.06.2018_DSC_0013 (002).JPGFoto: Britta Weimann
ASF_Pflegegipfel_26.06.2018_DSC_0057 (002).JPGFoto: Britta Weimann
 
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