4. Winsener Stadtgespräch – Scientology, Gefahr für Mensch und Gesellschaft

Ursula Caberta
 

Unter dem Titel Scientology – Gefahr für Mensch und Gesellschaft fand am 26. März 2012 das 4. Winsener Stadtgespräch im Marstall statt. Referentin war die Fachreferentin für neureligiöse Gemeinschaften und Psychogruppen der Stadt Hamburg, Ursula Caberta, die deutliche Worte für die sog. Kirche gefunden hat.

Hamburg sei derzeit das einzige Bundesland, dass eine Stelle für den Kampf gegen Scientology eingerichtet habe, mahnte Caberta gleich zu Beginn ihres Vortrages. Die deutsche Politik würde die Gefahr, die von dieser Organisation ausgehe immer noch verharmlosen.

So sei Scientology keinesfalls eine Kirche, werbe aber dafür. „Kirche ist kein juristischer Begriff. Jeder Verein kann sich Kirche nennen, jeder kann eine aufmachen“, machte Caberta deutlich. Die Organisation habe auch nichts mit Religion zu tun. Dieses sei vielmehr eine Tarnkappe, hinter der sie sich verstecke. „Das OVG Münster hat bereits 2008 festgestellt, dass Scientology die freiheitliche Grundordnung in Deutschland gefährdet.“ Seit 1997 werde die Organisation deshalb zu Recht nachrichtendienstlich beobachtet. Die Organisation sei im Übrigen auch keine Sekte, da sie eben nicht religiös ist.

Freiheit und Grundgesetz gelten dort nicht. Kritik würde nicht zugelassen und mit allen Mitteln unterbunden. Auch das Stadtgespräch hätte nach Scientology-Weltanschauung gar nicht stattfinden dürfen. „Für Kritiker wird es meist schnell unangenehm, da die Organisation versucht, ihre Kritiker einzuschüchtern, zu erpressen und als dumm darzustellen. Das weiß ich aus eigener Erfahrung,“ so Caberta über ihre langjährigen Erfahrungen.

Das ausschließliche Ziel von Scientology sei es, die Ideologie in jedem Lebensbereich einzuführen, um mehr und mehr Einfluss im Lande zu gewinnen, damit es am Ende ausschließlich im Scientologischen-Sinne regiert werden könne. Wer sich dem wiedersetze, müsse damit rechnen, sich in einem Straflager wiederzufinden. Diese Lager gebe es bereits heute, bspw. In Dänemark, um Abweichler „zu heilen“. „Wir haben in Deutschland bereits während Herrschaft der Nazis mehr als genug Erfahrungen mit absurden Weltmachtansprüchen und insbesondere mit Straflagern gemacht. Deshalb muss es dringend verhindert werden, dass sich die Scientology-Organisation in Deutschland, aber auch in der Welt, weiter ausbreitet. Dies ist vor allem die Aufgabe der Politik. Scientology ist eine verfassungsfeindliche, menschenverachtende Ideologie,“ bringt es Caberta in aller Deutlichkeit auf den Punkt.

Man könne schnell, ohne es zu merken, in die Organisation reinrutschen, zeigte Ursula Caberta auf. Das fange bereits mit Infoständen in den Städten an. Dort werde das „raw meat“, also das rohe Fleisch, wie Nicht-Scientologen innerhalb der Organisation genannt würden, „gefischt“. Hamburg habe deshalb ihre Straßenwerbung verboten. Oder es würden Kommunikationskurse oder Ähnliches für Manager und Personaler angeboten. Im Ausland würden sogar Schulen und Internate gegründet. „Alle diese ersten Kontakte sind schwer mit der Organisation Scientology in Verbindung zu bringen. Denn sie hat viele Unterorganisationen, um die Menschen erst mal zu rein zulocken. Alle Schritte dienen aber immer dem Ziel, den Einfluss zu steigern, im normalen Leben, aber auch in Politik und Wirtschaft,“ warnt Caberta.

In der abschließenden Diskussionsrunde wurde von Bürgern auf Infostände der Scientologen in der Winsener Fußgängerzone hingewiesen. Es stellte sich die Frage, warum diese nicht auch hier vor Ort verboten seien. Die Winsener SPD wolle dieser Frage nun auf den Grund gehen. Denn: Auch hier vor Ort gelte es, die Ausbreitung verfassungsfeindlicher Organisationen zu stoppen.
 

 
Norbert Rath und Ursula Caberta

Ortsvereinsvorsitzender Norbert Rath mit Referentin Ursula Caberta

 
    Bürgergesellschaft     Innen- und Rechtspolitik
 

 


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