Podiumsgäste Gute Wohnungspolitik in Winsen
v.l.n.r.: Christine Glawe, Philipp Meyn, Gordon Nelkner, Olaf Schulze, Svenja Stadler, Martin Natorp

Beim Bürgerdialog der SPD im Landkreis Harburg am 18. April im Marstall in Winsen wurde deutlich: Bezahlbarer Wohnraum bleibt eine der drängendsten Zukunftsfragen für die Region. Auf dem Podium diskutierten Christine Glawe, SPD-Bürgermeisterkandidatin Winsen, Philipp Meyn, Mitglied des Niedersächsischen Landtages, Gordon Nelkner, Baudezernent Bezirksamt Hamburg-Mitte, Olaf Schulze Bürgermeister Geesthacht sowie der Architekt Martin Natorp aus dem Landkreis gemeinsam mit zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern über Wege zu einer sozial ausgewogenen Wohnungspolitik.

Ein zentrales Problem sind langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren. Für Bebauungspläne werden inzwischen häufig bis zu drei Jahre benötigt, begleitet von zahlreichen Gutachten mit teils mehreren hundert Seiten. Gleichzeitig steigen die Kosten deutlich. Allein die Erschließungskosten liegen heute bei rund 15.000 Euro, hinzu kommen Baunebenkosten von 70.000 bis 80.000 Euro pro Bauvorhaben. Diese Entwicklungen erschweren insbesondere den Bau von bezahlbarem Wohnraum.

Gleichzeitig wurden Fortschritte und unterschiedliche Ansätze in den Bundesländern sichtbar. In Niedersachsen sorgen Erleichterungen in der Bauordnung – beispielsweise beim Dachgeschossausbau oder durch digitale Antragsverfahren – für mehr Flexibilität. Hamburg setzt verstärkt auf verbindliche Quoten im geförderten Wohnungsbau von bis zu 35 Prozent. In Geesthacht wiederum zeigt sich, dass kommunale Wohnungsbaugesellschaften ein wirksames Instrument sein können: Dort wurden in den vergangenen Jahren rund 400 Wohnungen mit einem Investitionsvolumen von etwa 50 Millionen Euro realisiert.

Als vielversprechender Ansatz wurde insbesondere die sogenannte „Phase Null“ hervorgehoben, die in Hamburg bei Bauvorhaben ab etwa 30 Wohneinheiten eingesetzt wird. Dabei stimmen sich Bauherren, Verwaltung und beteiligte Stellen wie Feuerwehr oder Versorgungsbetriebe frühzeitig ab – noch bevor ein Bauantrag gestellt wird. Erste Erfahrungen zeigen, dass sich Genehmigungszeiten so deutlich verkürzen lassen. Neben klassischen Bauträgermodellen wurden auch alternative Ansätze diskutiert. Baugemeinschaften, bei denen sich mehrere Parteien zusammenschließen und gemeinsam planen und bauen, können eine Möglichkeit sein, kostengünstiger Wohnraum zu schaffen.

Für den Landkreis Harburg verwies SPD-Bürgermeisterkandidatin Christine Glawe auf die besonders angespannte Situation: In Winsen liegt die Leerstandsquote bei nur etwa 0,2 Prozent, gleichzeitig steigen die Mieten – Wohnungen sind häufig erst ab rund 1.000 Euro verfügbar. Während weiterhin vor allem Einfamilienhäuser und Doppelhaushälften entstehen, fehlt es insbesondere an bezahlbaren Wohnungen für junge Menschen, Familien und Seniorinnen und Senioren. Glawe machte deutlich, dass geförderter Wohnungsbau vor Ort bislang nur in geringem Umfang vorhanden ist und die kommunale Wohnungsbaugesellschaft hier allein nicht ausreicht, um den Bedarf zu decken. Sie sprach sich deshalb klar für verbindliche Quoten im geförderten Wohnungsbau aus, um künftig mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Beispiele aus anderen Regionen zeigen, dass solche Instrumente wirken können – etwa in Geesthacht, wo bei neuen Bebauungsplänen ein Anteil von 25 Prozent für geförderten Wohnungsbau vorgesehen ist.

Die Diskussion zeigte außerdem, dass Wohnen eng mit anderen Themen verknüpft ist: Infrastruktur, Fachkräftesicherung und regionale Entwicklung müssen gemeinsam gedacht werden. Steigende Kosten für Grundstücke, Bau und Erschließung sowie Fachkräftemangel im Handwerk verschärfen die Situation zusätzlich. Zugleich bleibt die Metropolregion rund um Hamburg ein wichtiger Wachstumsmotor, der den Druck auf den Wohnungsmarkt im Landkreis Harburg weiter erhöht.

Svenja Stadler, Vorsitzende des SPD-Unterbezirks Landkreis Harburg, betont:

Bezahlbares Wohnen entscheidet darüber, ob Menschen hier gut leben und arbeiten können. Wir sehen, dass viele gute Ansätze vorhanden sind – von schnelleren Verfahren bis hin zu neuen Wohnformen. Jetzt kommt es darauf an, diese konsequent weiterzuentwickeln und besser miteinander zu verzahnen. Entscheidend ist, dass wir stärker zusammenarbeiten – über kommunale und Landesgrenzen hinweg – und gute Ideen konsequent umsetzen. Unser Ziel ist eine Wohnungspolitik, die soziale Sicherheit, wirtschaftliche Entwicklung und Lebensqualität zusammenbringt.

Die Veranstaltung bot neben der Podiumsdiskussion viel Raum für Fragen und Austausch. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger brachten ihre Perspektiven ein und nutzten die Möglichkeit, Anregungen zu formulieren. Die Ergebnisse fließen in den weiteren Dialogprozess der SPD zur Kommunalwahl 2026 ein.